Johannesburg – auf den Spuren Mandelas (Reisetagebuch, Teil 2)

Die erste Woche in Südafrika verging rasend schnell. Inzwischen haben wir schon ein paar Tage im Kruger Nationalpark und einen Abstecher nach Swaziland hinter uns. Aber los ging´s in Johannesburg – und unser guter erster Eindruck hat sich in den zwei Tagen dort mehr als bestätigt. Hier mein Reisetagebuch Teil 2 – mit Tipps für Johannesburg.

Da ein Bekannter erst vor zwei Wochen eine unschöne und schmerzhafte Begegnung in Downtown hatte, wegen der seine Begleitung im Krankenhaus landete, wollten wir die Gegend meiden. Auch wenn Reiseführer wie der „Lonely Planet“ schreiben, der alte Stadtkern sei viel sicherer, als früher, war die Messerattacke bei unseren Bekannten uns doch eine Warnung. Also gingen wir auf Nummer sicher und steuerten an unserem ersten Tag eine Gegend in einem der bessern Viertel an. Direkt mit dem Zug erreicht man innerhalb von 15 Minuten den Stadtteil Sandton, der heute das Banken- & Finanzzentrum von Johannesburg bildet.

Sandton City zur Abendsonne

Dort befindet sich u.a. Sandton City, ein gigantisches, modernes Shoppingcenter mit allen denkbaren Designermarken und großen Ketten.

Der Nelson Mandela Square

Vor dem Shoppingkomplex befindet sich der Nelson Mandela Square mit einer überlebensgroßen Statue des frühreren Präsidenten sowie vielen Restaurants und Bars. Am Samstagabend fand dort ein White-Dinner mit Live-Musik statt – sehr atmosphärisch! Und für mich alles überraschend europäisch.

Die Restaurants sahen alle sehr gut aus – wenn eben auch wenig afrikanisch. Für uns gab´s Tapas, Salat und Steak im Cilantros und danach ging es mit dem letzten Zug zurück zum Hotel.
Für die Zugfahrten holt man sich übrigens eine „Gold Card“, die man dann mit einem Betrag seiner Wahl auflädt. Geht man in und aus der Bahnstation, wird die Karte gescannt und ein Betrag entsprechend der Wegstrecke von der Karte abgebucht. Für die Fahrt Flughafen – Sandton und zurück sind das pro Person umgerechnet ca. 12 Euro.

Tagestour durch Johannesburg

Um mehr als nur einen Shoppingdistrict zu sehen, buchten wir für den nächsten Tag einen Fahrer für eine Tagestour. Wir sind immer gerne mit Einheimischen unterwegs – ob auf einem Stadtspaziergang oder eben einer gefahrenen Tour. Unser Fahrer Jeffrey erwies sich als Glücksgriff und brachte uns die Stadt mit ihren vielen verschiedenen Gegenden nahe.

Jeffrey im Auto
Sightseeing: Jeffrey zeigte uns seine Stadt

Beverly Hills Feeling

Zuerst ging es ins Nobelviertel „Houghton Estate„, eine der reichesten Gegenden, direkt in die 12 Avenue. Dort wohnen viele Regierungsmitglieder und während seiner Amtszeit auch Nelson Mandela. Vor seinem ehemaligen Wohnaus halten regelmäßig Reisebusse.

Mandelas erste Frau, Winnie Mandela lebt übrigens noch im Township Soweto in ihrem alten Haus. Nicht allzu weit von seiner alten Villa entfernt, lag auch das Gefängnis, in dem Nelson Mandela (und auch Mahatma Gandhi) einen Teil seiner vielen Jahre im Gefängnis einsaß. Mandela ist untrennbar mit Südafrika verbunden und Stationen seines Lebens begegneten uns den ganzen Tag immer wieder.

Die Fahrt ging vorbei an Johannesburgs teuerster Privatschule, an der vor allem Rugby und Cricket beliebte Sportarten sind. Der Parkplatz wimmelte von Porsches und anderen Edelmarken. Hier gibt´s definitiv Geld! Einige der Häuser – erzählte uns Jeffrey – sind mehr als 100 Millionen Rand Wert und umgeben von uneinsehbaren Mauern. Da das Nobelviertel auch auf einem Hügel liegt, hat es mich sehr an Beverly Hills erinnert.

Downtown to go

Jeffrey fuhr uns über die Nelson Mandela Bridge in den Museumsdistrict (hier gibt´s u.a. die „World of Beer“ und viele andere Museen), nach Newtown (wo früher die Börse war sind jetzt Büros) und vorbei an der Johannesburg Library. Dann landeten wir schließlich in der ellenlangen Main Street in Downtown. Davon, dort auszusteigen, riet auch der einheimische Fahrer ab. Die Gegend sei immer noch nicht so sicher – was unser Bekannter durchaus bestätigen kann. Aus dem Auto sahen wir aber viele Relikte der Goldgräberzeit und den Gandhi Square mit einer Statue des Wiederstandsämpfers, der viele Jahre in Südafrika verbracht hatte.
Unterirdisch in einer alten Mine befindet sich (noch in Downtown) das Carlton Center – eines der größten Shopping-Center hier.
Außerdem zu sehen: das höchste Gebäude der Stadt mit 50 Stockwerken.

Essen, Kunst und hippe Menschen

Und dann landeten wir in Maoboneng, einem Teil der Main Street, der aufgewertet wurde und als sicher, sehr hip und bei Touristen beliebt gilt.

Frische Säfte und hausgemachtes Köstlichkeiten: Foodmarket am Sonntag

Seit letztem Jahr wird das Viertel durch Cafés, Bars, Kunsthändler und Straßenmusiker zu einem Must-See gemacht, dass den Charme der 1960er aufleben lassen soll. Am Ende der Straße ist eine alte Garage, in der immer sonntags der Market on Main, ein beliebter Foodmarket stattfindet. Wir hatten Glück und waren genau an einem Sonntag dort, stiegen also aus, flanierten durch die Marktstände und genossen das Flair. Wer einen Abstecher dorthin zeitlich einrichten kann: unbedingt hingehen!!!

Wer noch etwas mehr Zeit mitbringt, kann sich ein paar Kilometer weiter das Apartheid Museum anschauen – für Kinder gibt´s direkt gegenüüber einen Freizeitpark („Gold Reef City“).

Townships – die schere zwischen arm und reich

Unser Tagesausflug führte uns an Townships vorbei, die überwiegend Überbleibsel der Apartheid sind und von Schwarzen bewohnt werden. In einigen Townships stehen inzwischen schöne Häuser, wie man sie auch in deutschen Vororten findet, in anderen hausen Familien in Wellblechhütten ohne Strom und Abwasser.

Eines der bekanntesten Wohngebietskonglomerate ist Soweto (steht für „South Western Townships“) und besteht aus mehreren Townships mit insgesamt ca. 800.000 Einwohnern. Johannesburg zählt übrigens ca. 4,5 Millionen. Es ist eine der ärmsten Gegenden der Stadt und oftmals wird vor der hohen Kriminalität dort gewarnt. Aber auch innerhalb der Townships gibt es große Unterschiede und am Nachmittag machten wir einen Abstecher in die touristischere Gegend des Townships und waren überrascht, wie luxuriös manche Straßenzüge aussahen. Nur wenige Kilometer entfernt sieht das dann aber wieder ganz anders aus. Die Gegensätze von arm und reich prallen hier ständig aufeinander!

In Soweto befindet sich auch Mandelas erstes Wohnhaus, das heute als kleines Museum genutzt wird. So sieht man auch, wie die typischen 4-Zimmer-Häuschen der Townships aufgeteilt sind. Für 60 Rand Eintritt steht das Häuschen von 9-16.45 Uhr den Besuchern offen.

Nicht weit entfernt sind einige quirlige Restaurants, in denen sich Township-Bewohner mit Touristen mischen, während Musiker die Straße beschallen. Dort gingen wir mit Jeffrey essen – zum ersten Mal etwas typisch Südafrikanisches.

Den Abschluss unserer Tagestour bildete ein Halt am Hector Pieterson-Denkmal- und Museum, das zum Gedenken an die Opfer der Aufstände 1976 in Soweto erinnerte. Ein Protest von Schülern gegen gewisse Bestimmungen durch die Apartheid (Unterricht auf Afrikaans und Englisch), eskalierte durch Polizeigewalt. Mindestens 176 Kinder wurden getötet. Der damals 13-jährige Hector war das jüngste Opfer und wurde durch Fotografien bekannt, auf denen sein Leichnam von einem anderen Schüler weggetragen wurde. Seine Schwester läuft auf dem Bild neben ihm und arbeitet heute als Tourguide in dem Museum. Ein Grasstreifen im Boden soll die Schusslinie der tödlichen Kugel nachbilden.

Mit all diesen Eindrücken vollgelanden, fuhren wir zurück, vorbei an zwei riesigen, ehemaligen Kühltürmen eines alten Kraftwerks, die Touristen u.a. zum Bungeejumping locken – und mit Blick auf die Siedlungen rechts und links des Motorways. Einige davon mit schönen, großen Häusern, andere so, dass die Armut laut Hilfe ruft. Die Unterschiede zwischen arm und reich sind immernoch gewaltig, die zwischen schwarz und weiß zum Glück nicht mehr so.
Nelson Mandela und all den mutigen Kämpfern sei Dank!

Die alten Kraftwerkstürme locken jetzt Adrenalinjunkies.

Nach den Tagen in Johannesburg ging es weiter nach Swaziland – davon gibt´s im Laufe der Woche noch Bilder und ein paar interessante Facts…

Bis dahin sonnige Grüße,

die Birgit

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