Gamedrives im Kruger Park (Reisetagebuch, Teil 5)

Freiwillig um 5 Uhr morgens aufstehen – und das im Urlaub… Das ich das jemals tun würde, hätte ich (und alle, die mich kennen) nie für möglich gehalten. Aber in Afrika ticken die Uhren eben anders – und ich auch. 😉 Die Chancen, bei einem Gamedrive Löwen zu sehen, sind nämlich auf der Morgentour sehr gut. Und die Raubkatzen in freier Wildbahn zu sehen, wollte ich nicht verpassen.
Ersten Begegnungen mit Elefanten, Nashörnern und co. hatte ich ja bereits, als wir einige Tage im Marloth Park verbrachten. Von dort machten wir schon eine Tagestour in den Kruger Park – verbrachten dann aber noch zwei Tage direkt IN dem Park. Und darum geht´s heute: zwei etwas holprig startende Tage im Kruger Park.

Abendstimmung im Kruger Park – mit fast 20.000 Quadratkilometern Fläche ist es einer der größten Nationalparks Afrikas.

Wenn man direkt in einem der Nationalparks schlafen möchte, gibt es vor allem zwei Möglichkeiten:
Entweder schläft man in einem der offiziellen „Rest Camps“ oder man nimmt sich eine Lodge in einem privaten Konzessionsgebiet. Erstere Möglichkeit ist wesentlich günstiger, hat aber auch ein gewisses Campingplatz-Feeling. (Wer das dennoch machen will: „Lower Sabi“ ist wesentlich schöner als das riesengroße Camp „Skokuza“.)
Die meist sehr luxuriösen und exklusiven privaten Camps sind dafür unverhältnismäßig teuer. Los geht´s bei ca. 400 Euro pro Nacht (inkl. Essen und Gamedrive-Ausfahrten) und nach oben sind kaum Grenzen gesetzt. Das kann 4- bis sogar 5-stellig sein.

Urlaubsfeeling mitten im Nationalpark: Für die schönen, privaten Lodges muss man etwas tiefer in die Tasche greifen – hat dann aber ein traumhaftes Ambiente.

Ich bekam letztes Jahr zwei Übernachtungen in dem wunderschönen und sehr ausgefallenen „Hamiltons Tented Camp“ geschenkt und freute mich seit Weihnachten darauf, zwei Tage luxuriöses Safari-Feeling im Stil des 19. Jahrhunderts zu genießen. Doch als wir zum Check-In am Hamiltons ankamen, merkten wir schon, das etwas nicht stimmte. Nach einer halben Stunde stand dann fest: Die Reiseagentur, über die die Buchung lief, buchte uns einfach in eine andere Lodge um, ohne uns das mitzuteilen. Durch die Verwirrung und Verzögerung verpassten wir den Evening-Gamedrive und vergeudeten fast zwei Stunden Zeit. Die beiden Übernachtungen waren die teuersten der gesamten Reise und wir hatten ganz explizit wegen des unvergleichlichen Ambientes das Camp ausgesucht, das nur Platz für zwölf Gäste hatte. Wir waren also entsprechend enttäuscht und verärgert.

Im Gamedrive-Jeep des Hamiltons konnte ich mitfahren – im Camp war nach dem Fehler unserer Reiseagentur (Antwort steht noch aus) leider keines der sechs Zelte mehr frei.

Auf dem ziemlich steilen und holprigen Weg in die Ersatzunterkunft machte sich bezahlt, dass wir eine Unterbodenversicherung für unseren Mietwagen abschlossen, da die Fahrt ein paar Spuren hinterließ… (Bei den Straßen in Südafrika und explizit den Pisten in den Parks unbedingt die paar Extra-Euros investieren!)
Endlich an der Imbali Lodge angekommen, wurde klar, dass wir keine Chance hatten, doch noch ins Hamiltons umzuziehen. Kein guter Start in zwei eigentlich entspannte Urlaubstage in einer Location, die (wie wir von einem anderen Gast später erfuhren) eigentlich 550 Euro pro Person/Nacht kostet. Die Imbali Lodge bietet übrigens Platz für 24 Gäste – also doppelt so viel wie das Hamiltons Camp aber immernoch sehr exklusiv.

Wahrscheinlich bin ich die Einzige, die bei der Ankunft vor Enttäuschung und nicht aus Freude ein paar Tränchen vergoss. Die Managerin der Lodges (das Hamiltons, die Imbali und noch eine dritte Lodge gehören zusammen) kümmerte sich dann aber extrem rührend um uns. Vor allem am nächsten Abend war das Ärgernis komplett vergessen, als nach dem Dinner die gesamte Küchenmannschaft mit einer Torte singend auf unseren Tisch zukam (der auch noch abseits aller anderen Gäste positioniert und besonders schön eingedeckt war) und uns damit überraschte. Auf dem Zimmer warteten noch eine Flasche Champagner und Rosenblüten auf dem Bett und im Bad. Superschön!
Rund 2200 Euro für zwei Nächte wäre mir/uns das Vergnügen aber dennoch nicht Wert gewesen.

Süße Überraschung: Für all den Ärger gab´s eine Schokotorte und ein romantisch dekoriertes Zimmer.


Nachdem ich mit der Lodge im Marloth Park so gute Erfahrungen gemacht habe, würde ich lieber wieder dort buchen. Was die Lodges im Kruger Park (neben dem Preis) nämlich noch von den Unterkünften außerhalb unterscheidet: Man darf sich nach Sonnenuntergang nicht mehr frei bewegen. Aus den Camps raus in den Park darf man sowieso nicht, da ist auch alles umzäunt und abgesperrt. Aber selbst der Weg von der Lodge zum Restaurant muss von einem Angestellten begleitet werden – es könnten ja doch gefährliche Tiere durch eine Umzäunung gebrochen sein.
Deshalb: Eine Unterkunft außerhalb des Kruger Parks ist wesentlich günstiger, man kann sich viel freier bewegen und je nach Gegend frühstückt man dann vielleicht mit Zebras. Für die Gamedrives hat man dann eben eine zusätzliche Anfahrt – aber vom Marloth Park aus waren das zum Beispiel 15-20 Minuten, also nicht die Welt – auch wenn das bedeutet, dass der Wecker für den morning drive dann vor 5 Uhr früh klingelt…

Morgenstimmung im Kruger Park.

Meine Löwen-Sichtung machte ich übrigens nicht bei einem Morning-Drive sondern am Abend. Von wegen, „the lions sleep tonight“. Löwen schlafen etwa 18 Stunden am Tag – aber meistens nicht, wenn es dämmert. Wir bekamen eine Löwenmama und ihre zwei Jungen sowie ein weiteres Jungtier nach Sonnenuntergang zu Gesicht, als sie sich auf die Jagd machten.

Löwin im Dunkeln
Auf der Jagd: Eine Löwin streit durchs Gras.
Kurzer Drink an der Pfütze. Die Mutter und ihre zwei Jungen tanken etwas Regenwasser auf der Straße.

Unser Guide Victor meinte, die Tiere hätten sicher seit einer Woche nichts gegessen und müssten jetzt dringend etwas fangen, da sie schon sehr abgemagert aussahen. Gut, dass wir nicht auf ihrem Speiseplan stehen und relativ sicher im Gamedrive-Jeep saßen. Nachdem wir am nächsten Tag noch einen Leoparden sahen, habe ich die „Big Five“ komplett – also die fünf am schwersten zu jagendsten Tiere Afrikas: Nashörner, Büffel, Löwen, Leoparden und Elefanten.

Übrigens noch ein paar interessante Facts über einige der Tiere:

Elefanten essen ca. 150 – 250 Kilogramm pro Tag – die Menge hängt stark davon ab, wie nahrhaft die Pflanzen zu den jeweiligen Jahreszeiten sind.
Man sollte sich nie zwischen einem Flusspferd und einem Fluss aufhalten – das geht ziemlich sicher tödlich aus, weil die Tiere bei Gefahr immer ins Wasser gehen.
Zebramännchen leben meist mit drei bis vier Weibchen zusammen.

Eine Herde Impalas versteckt sich im Busch. Mit viel Phantasie sieht die Zeichnung auf dem Hintern aus wie ein M, das laut unseres Guides für Mc Donalds steht. Impalas gehlten nämlich als „Fastfood“ für Löwen…

Vom Kruger-Park und Temperaturen um die 40 Grad führte uns die Reise weiter über den Long Tom-Pass, wo uns Nebel, Regen und kühle 13 Grad empfingen. Nach einer Nacht mit offenem Kamin flogen wir weiter nach Port Elizabeth – an die Küste.
Hier also mehr vom Meer.
Liebe Grüße,

die Birgit

 

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