„Hakuna Matata“ im Nationalpark (Reisetagebuch, Teil 4)

Mit Zebras frühstücken, neben Giraffen in den Pool springen und beim Abendessen Besuch von Kudus bekommen – nie hätte ich mir erträumen lassen, was es für eine Erfahrung ist, in einem Wildreservat zu übernachten. Hier gibt´s einen Einblick in meine „König der Löwen“-Erfahrung im Marloth und Kruger Park.

Zebraaue
Unvergessliche Augenblicke im Kruger- und Marloth Park.

Nach dem kurzen Stopp in Swasiland und einer aberteuerlichen Fahrt über Straßen, die mehr aus Schlaglöchern als aus Straße bestanden, kamen wir in der Needles Lodge im Marloth Park an. Das ist ein privater Park – nicht weit vom Kruger Park entfernt aber durch einen Fluss und Zäune abgetrennt. Auf dem Gelände leben viele verschiedene Tierarten – darunter aber keine gefährlichen Raubtiere. So kommt es, dass die Häuser und Lodges dort nicht extra umzäunt sein müssen, wie in den Nationalparks üblich. (Und dort gleicht die Umzäunung der eines Hochsicherheitstrakts!) Was das bedeuten würde, erfuhren wir erst am nächsten Tag beim Frühstück – dazu gleich mehr…

Nur kurz nach unserer Ankunft ging es auf den ersten Gamedrive – einer Safaritour zum Sonnenuntergang. Mit unserem Ranger fuhren wir auf einem Jeep über Pisten, entlang des Crocodile Rivers und bekamen dort (hinterm Zaun) eine Elefantenherde zu sehen sowie in unmittelbarer Nähe Zebras und Giraffen. Für mich war es der erste Gamedrive meines Lebens und auch das erste Mal, diesen Tieren in freier Natur so nah zu kommen. Ein großartiger Einstieg! Zum Sonnenuntergang stiegen wir aus, bekamen Drinks und viel Input von Ranger Donald und fuhren dann zurück.

Abendessen gab´s in der exklusien Needles Lodge dann mit allen 12 Gästen und den Inhabern auf der Terrasse. So saßen wir beim Dinner mit einer Familie aus Brasilien, Paaren aus Mosambik und Israel, zwei Freunden aus Kolumbien und den südafrikanischen Lodgebetreibern Dennis und seiner Frau zusammen. Auch das war eine tolle Erfahrung, da so viele verschiedene Nationalitäten aufeinander prallten und machte Lust auf viele weitere Reisen!

Tisch fürs Abendessen
Atmosphärisches Ambiente zum Abendessen mit internationalen Gästen.

Zebra zum Frühstück

Alle anderen Gäste stellten ihre Wecker auf vier oder fünf Uhr in der Nacht, um geführte Touren mitzumachen. Wir waren etwas später dran (Frühaufstehen gehört nicht zu meinen Qualitäten) – hatten so aber das Vergnügen, beim Frühstück von einer Zebraherde umringt zu sein. Direkt neben der Veranda, auf der wir Kaffee und Tee tranken, schauten etwa zwölf Zebras vorbei, aßen und ließen sich nicht durch uns beirren. Ein kleines Warzenschwein – und später auch drei Giraffen ließen sich ebenfalls nur wenige Meter von uns blicken. Wunderschön!!

Jurassic Park-Feeling

Nach diesem Erlebnis fuhren wir selbst mit unserem Auto in den Kruger Park. Wer nocht nicht dort war: Man fühlt sich etwa so, als würde man in den Jurrasic Park einchecken. Beim Bezahlen des Eintrittspreises (ca. 20 Euro pro Person/pro Tag) muss man seine persönlichen Daten (u.a. KFZ-Kennzeichen und Reisepassnummer) angeben und bekommt eine Infobroschüre. Der Regelkatalog ist etwa eine Seite lang und AUF KEINEN FALL darf man irgendwo außerhalb der „Rest Camps“ aussteigen. Hinter jedem Busch könnte ja ein Raubtier lauern!

Nach der „Crocodiles Bridge“ geht der Kruger Park los – und somit das strikte Verbot, das Auto zu verlassen.

Auch wenn alle meine Freunde Witze a la „lass dich nicht vom Löwen fressen“ machten – tatsächlich kommen in den Parks immer wieder Menschen zu Tode, die den Tieren zu nah kommen oder sich nicht an die Regeln halten! Wie uns Dennis am Abend erzählte, haben die Ranger im Park sogar das Recht zu schießen, wenn sie die Vermutung haben, dass Wilderer am Werk sind.

Täglich werden etwa zwei Nashörner illegal wegen ihrer Hörner getötet. Deshalb gibt es keine Gnade für Wilderer und tatsächlich regelmäßig Schießereien.

Wir blieben also schön brav in unserem Auto und durchquerten den Park mit Adleraugen, um solche – und andere Tiere – zu sichten. Anfangs waren wir noch von jeder Gazelle in meterweiter Entfernung begeistert aber auch da stumpft man etwas ab, wenn man die Tiere einmal direkt neben sich beobachten konnte. Wir waren ganz erfolgreich und bekamen einiges vor die Linse…

Elefanten überholt man nicht so einfach

Das schönste (und in dem Moment auch Respekt einflößendste) Erlebnis war, als wir auf einer Schotterstraße einem extrem großen Elefantenbullen begegneten. Er lief in die Richtung, in die wir auch fuhren – mitten auf der Straße. Mit etwas Sicherheitsabstand fuhren wir dann eine halbe Stunde hinter ihm her. Hakuna Matata! Dann kommt man eben etwas langsamer voran… Wunderschön, so ein großes Tier in freier Wildnis so beobachten zu können! Als ein lauterer Jeep anrollte und der Elefant uns und das andere Fahrzeug dadurch bemerkte, wich er zur Seite ins Gras, sodass wir ihn überholen konnten. Danach ging er zurück auf den Weg. Sehr freundlich, dass er uns das Überholmanöver so erleichterte und uns damit noch näher an sich heran lies.

Dinner mit zwei Kudus

Das Abendessen fand wieder in internationaler Runde statt – diesmal mit zwei weiteren Gästen, die kurz aus dem Busch vorbei schauten. Erst näherte sich ein Kudu-Männchen direkt an die Veranda und blieb etwa dort eine halbe Stunde. Später schaute auch noch ein etwas scheueres Weibchen vorbei, hielt aber etwas mehr Sicherheitsabstand.
Kudus sind übrigens fast so groß wie Pferde – aber so filigran wie Rehe. Die Männchen haben imposante Hörner, mit denen sie manchmal so sehr rangeln/kämpfen, dass sie sich verkanten und dann verdursten. Die Story erzählte uns ein Guide ein paar Tage später – bis jetzt stelle ich mir immer wieder vor, wie zwei ineinanderhängende Kudubullen qualvoll verenden. Keine so schöne Vorstellung – aber das ist eben die Natur…
Bei unserem Abendessen gab es keine Toten 😉

So sieht ein Kudu-Männchen aus. Beim Dinner gab´s keine Fotos – wir wollten die scheuen Tiere ja nicht mit Blitzlicht verschrecken und es war schon sehr dunkel…

Nach der zweiten Nacht in Dennis „Needles Lodge“ fuhren wir wieder in den Kruger Park – diesmal aber nicht als Tagestouristen, sondern um dort zwei Nächte in einem privaten Camp im Park zu bleiben. Da ging dann leider einiges schief, es gab Tränen und zur Wiedergutmachung singendes Küchenpersonal… Mehr dazu in den nächsten Tagen hier an Ort und Stelle.

Liebe Grüße,

die Birgit

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